Schweden-Klo – Spannungsgeladen

Die Vorgeschichte:

Seit ~20 Jahren habe ich unweit (fußläufig gut erreichbar) meiner Wohnung einen schönen großen Garten mit relativ großer Gartenhütte aus den 60er Jahren im Bestandsschutz. Der Garten wurde schon viel genutzt vor allem als es noch kleinere Kinder gab, war hier ein toller Ort zum Spielen und Verweilen. Mittlerweile sind die Kinder längst erwachsen und der Garten soll nun primär für Erholung und Rückzug der Erwachsenen genutzt werden. Der Garten hat weder Stromanschluss noch Wasser und/oder Abwasseranschluss. Ganz früher wurde seinerzeit mit Gas eine Innenbeleuchtung betrieben die längst einer einfachen und kleinen Insel Photovoltaik gewichen ist. Diese sollte jetzt ersetzt werden, da die alten Bleibatterien (immerhin 24x 45Ah) schon >10 Jahre alt waren und alles nicht mehr recht zeitgemäß war. Hinterm Haus gab es ein angeschlossenes Schleppdach mit Kunststoffplatten, die mit den Jahren brüchig und löchrig wurden und mit einer Plane abgedeckt werden mussten. Das sah alles auch nicht mehr schön aus. Seit der glorreichen Grundsteuerreform (danke an dieser Stelle an alle Mitentscheider des Gutachterausschusses in Calw) darf ich 1000!!!% mehr Grundsteuer für dieses Waldgrundstück mit alter Hütte bezahlen. Aus 80€ im Jahr wurden also 800€. So habe ich dann auch den Entschluss gefasst, das Grundstück auch für mich privat mehr/besser zu nutzen bzw. nutzbar zu machen. Als 1stes sollte das „Energieproblem“ gelöst werden.

Planung und Umsetzung:

Mein Sohn, dem ich sehr dankbar bin, ist hier DIE maßgeblich treibende federführende Kraft bei Idee, Planung und Umsetzung gewesen. So sollte hier nicht eine Minianlage entstehen, sondern ein richtiges offgrid Kraftwerk (40kW Speicher) unter strikter Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, die oben bereits genannt sind.

Einkaufsliste (unvollständig aber grob passt es so):

21x 445W Trina Vertex S+ Glas Glas Bifacial Solarmodul BLACK FRAME (20 verbaut, 1x Reserve bzw. Ersatzmodul)

1x Victron SmartSolar MPPT RS 450/200 48V Laderegler

1x Victron Cerbo GX MK2

1x Victron MK3 Programmier Interface

3x Victron Multiplus II 48/3000/35-32

6x Pytes V5 5,12kWh LiFePo4 Speicher (beheizt)

2x Pytes E-BOX-48100R-C LiFePo4 Speicher (unbeheizt)

2x Victron Distributor + 8x Sicherungen

1x Victron Wallbox EV Ladestation 22 kW 3-phasig

Hinzu kommen viele Meter an Kabeln für Solarpanele, 230 und 400V, Netzwerkkabel u.s.w.

Die Solarmodule wurden allesamt auf Solar-Mountingsystemen von K2 Systems montiert.

Das schon betagte und marode direkt am Haus angrenzende Schleppdach musste zum Großteil erneuert werden um die Solar-Paneele aufnehmen zu können. Hier ein paar Bilder mit den verbauten Solarmodulen. Für die Dachrinne musste ich mir technisch etwas einfallen lassen, damit die abfließenden Wasser sowohl vom Ziegeldach als auch von Seite der Paneele aufnehmen kann. Ursprünglich hatte das Schleppdach ein minimales Gefälle zum Hang hin, was ich abänderte, damit auch von Hangseite her mehr Licht unter das tendenziell dunkle Solardach kommen kann. Es entspricht exakt der Größe des alten Schleppdaches.

Als Technikraum nutzen wir das sowieso kaum genutzte Klo Häuschen aus massiver Douglasie unweit ~30m vom Gartenhaus. Warum – die Victron Komponenten haben Lüfter und bei Vollast, z.B. Laden eines E-Autos mit 7,5kW gibt es schon ein hörbares Rauschen, was mich direkt am Haus evtl. stören könnte. So stand dann auch der Entschluss fest: Hier kommt die komplette Technik rein. Der Clou der Toilettendeckel dient zusätzlich als Belüftungsregulierung. Darunter ist lediglich ein Korb zum Auffangen vom „G’schäftle“. Nach hinten unten/hin ist sowieso offen. So oder ähnlich werden in Schweden auf den Inseln auch die Toiletten gemacht. Nach der Sommersaison wird der Korb aus Naturmaterialien samt Inhalt lediglich vergraben und ein neuer Korb kommt rein. Mein Korb hält so schon seit Jahren und wird selten mal geleert. Das ist der Hintergrund zum Namen des Titels.

 

 

Im Moment haben wir 40kW Speicherkapazität. Das Ganze wurde auch „abgesichert“ obwohl ich mir kaum vorstellen kann, das hier jemand „herfinden“ will um irgendwelchen Unfug zu treiben. Es gibt diverse Revolink Kameras auf dem Gelände verteilt, die ihre mit KI Unterstützung erkannten Bilder zu mir nach Hause auf meine Frigate Zentrale schicken und ich auch gleich eine Benachrichtigung erhalte, sollten Unbefugte sich auf meinem Grundstück aufhalten.

Kosten: jenseits von 15k€. Ich denke, dass so eine Anlage von einer Firma installiert nicht unter 25k€ zu haben ist. Gut investiertes Geld und bestens konvertierte €.

Zeitaufwand für alles inkl. Schleppdachkonstruktion, Kabelgräben buddeln: mind. 2 Wochen zu zweit je 8h am Tag.

Wichtig auch für Nachahmer – die rechtliche Einordnung des Inselprojekts (Stand 2026)

Der Aufbau der Photovoltaik-Inselanlage auf diesem Grundstück erfolgte unter strikter Berücksichtigung der geltenden baurechtlichen und naturschutzfachlichen Vorgaben für den Außenbereich in Baden-Württemberg.

1. Baurechtliche Zulässigkeit (§ 35 BauGB)

Die Installation der Photovoltaik-Module erfolgt ausschließlich auf Bestands-geschützten bzw. rechtmäßig genehmigten Gebäudestrukturen (Gartenhaus und bestehendes Schleppdach). Gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 8 BauGB sind Anlagen zur Nutzung solarer Strahlungsenergie an und auf Dachflächen im Außenbereich ausdrücklich privilegiert. Das Projekt trägt somit dem besonderen öffentlichen Interesse an der Energiewende Rechnung, ohne neue Flächen zu versiegeln.

2. Verfahrensfreiheit (LBO BW)

Nach der Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO) ist die Montage von Solaranlagen auf oder an Gebäuden verfahrensfrei. Da die Anlage dem Gebäude untergeordnet ist und die statischen Anforderungen durch eine fachgerechte Erneuerung der Unterkonstruktion sichergestellt wurden, ist keine gesonderte Baugenehmigung für die PV-Komponenten erforderlich.

3. Naturschutz und Landschaftsbild (NSG/LSG)

Trotz der Lage in einem Schutzgebiet wurde auf maximale landschaftliche Integration geachtet:

  • Optik: Verwendung von Full-Black-Modulen mit schwarzem Rahmen, um Blendeffekte zu minimieren und eine harmonische Integration in die Dachflächen zu gewährleisten.

  • Eingriffsregelung: Da keine Freiflächenmodule verbaut wurden, findet kein Eingriff in den Boden oder die natürliche Eigenart der Landschaft statt. Bestehende Strukturen wurden lediglich technisch aufgewertet.

4. Status als echte Inselanlage

Bei dem System handelt es sich um eine technisch autarke Inselanlage ohne Verbindung zum öffentlichen Stromnetz.

  • Marktstammdatenregister: Eine Registrierungspflicht entfällt, da keine physische Verbindung zum Netz der allgemeinen Versorgung besteht und keine Einspeisung erfolgt.

  • Betriebssicherheit: Die technische Umsetzung erfolgte nach industriellen Standards (Victron-Systemumgebung) durch qualifiziertes Fachpersonal, was ein Höchstmaß an Betriebs- und Brandschutz sicherstellt.


Fazit: Durch die Kombination aus Privilegierung im Außenbereich, der Nutzung vorhandener Dachflächen und der Wahl reflexionsarmer Komponenten ist die Anlage ein Musterbeispiel für die ökologische Aufwertung von Freizeitgrundstücken im Einklang mit dem modernen Klimaschutzrecht.


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